11 Dinge: So erkennst Du Karneval

Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Doch vorher herrscht an den tollen Tagen absoluter Ausnahmezustand. Von Weiberfastnacht an sind die Kneipen voll und die Straßen voller Konfetti. Ob Sitzung, Umzug oder Party – an diesen elf Dingen merkst du, dass Karneval ist.

1. Du triffst Clowns, Piraten und Indianer in der Bahn, in der Kneipe, auf dem Klo und an der Dönerbude, zu jeder Tages- und Nachtzeit und in jedem dir erdenklichen Zustand.

2. Beim Schlangestehen vor der Toilette, vor der Kneipe und am Pizzastand unterhältst du dich mit den anderen Jecken, als würdet ihr euch schon ewig kennen.

Kamellsche überall – An Karneval unvermeidbar. Und außerdem lecker! // Fotos: Schmülgen

3. Du hast hoffentlich Mett vorbestellt, denn an Karneval ist es in allen Metzgereien der Stadt restlos ausverkauft.

4. In jeder Ritze deiner Wohnung sammelt sich Konfetti und Glitzer, ob du selbst eine Karnevalsparty veranstaltet hast oder nicht.

5. Auf deinem Wohnzimmertisch stapeln sich Bonbons und Lollis sowie kleine Popcorn- und Chipstüten von einem der zahlreichen Züge, wenn du Glück hattest beim Kamelle-Sammeln.

6. In der Straßenbahn trinken alle Kölsch, singen und schunkeln, auch wenn sie für die Strecke zehnmal so lange brauchen wie sonst.

7. Flaschensammler machen das Geschäft des Jahres.

8. Freunde, die an der Zugstrecke wohnen, sind die besten Gastgeber für eure Zugparty.

9. Du hörst mehr Schlager als den ganzen Rest des Jahres.

10. Du isst morgens Rollmöpse, obwohl du sie eigentlich hasst.

11. Du grölst „Viva Colonia“ auch nach dem elften Mal noch voller Begeisterung mit.

 

Die besten Songs für Dein Veedel

Veedel, das: Ein kleiner Teil der Stadt, in der Regel die unmittelbare Umgebung, in der jemand wohnt – unabhängig von den offiziellen Grenzen eines Stadtteils. So beschreibt Wikipedia ganz nüchtern den Nicht-Kölnern die kölsche Interpretation eines Stadtviertels. Seine Bedeutung kennt jeder, der in der Domstadt zuhause ist. Es ist Heimat und Lebensmittelpunkt. Dort hast du deine Stammkneipe, deinen Bäcker und dein Büdchen, in dem du sonntags deine Milch kaufst. „En unserem Veedel stonn mer zesamme“ sangen die Bläck Fööss erstmals vor 44 Jahren – und das gilt auch heute noch. Das Lied entstand am 7. Mai 1973 in der Ringschänke am Karolingering. Und es ist bis heute DAS Veedel-Lied für alle Kölner, das Gänsehaut und Herzflattern garantiert. Etwas unter gehen dabei manchmal die durchaus kritischen Töne des Songs zur Stadtentwicklung. Ähnliche Sorgen griffen Kasalla in diesem Jahr mit ihrem „Dat Veedel dat fählt“ auf.

Liebeserklärung an die Stadt

New York?! Ja, macht Sinn: Auf die Hymne an den Big Apple von Alicia Keys textete Carolin Kebekus ihren Veedel-Song „Köln Porz“. // Fotos: Schmülgen, Kohlenberg

Es gibt wohl über kaum eine Stadt so viele Lieder wie über Köln. Und in jeder Session kommen weitere dazu. Die meisten sind wahre, wenn auch teils kritische Liebeserklärungen an die Stadt am Rhing. Daneben hat so mancher Bezirk inzwischen seine ganz eigene Hymne. Wohnst du in Bickendorf? Dann ist das „Bickendorfer Büdche“ von der Mutter aller kölschen Bands, den Bläck Fööss, dein Song. Wie inzwischen bekannt ist, steht das gemeinte Büdchen allerdings gar nicht in Bickendorf, sondern vielmehr in Rath, in der Nähe von Bandmitglied Erry Stoklosas Zuhause. Dennoch ist das Lied ein Muss für alle Veedels-Fründe. Wenn du aus der nördlichen Innenstadt kommst, greifst du dagegen zu „Am Eigelstein es Musik“. Das Lied der Räuber über Tanz und Party ist eingängig, da kommt „us Nippes sujar Onkel Hein“. Einen etwas anderen Veedel-Song präsentierte Carolin Kebekus 2011 mit „Köln Porz“. Ihre raue und nicht ganz ernst gemeinte Liebeserklärung an den Stadtteil singt sie zu der Melodie der NewYork-Hymne „Empire State of Mind“ von Alicia Keys.

Kölsch-Song als Nationalhymne

Ebenfalls in das rechtsrheinische Köln führt dich die Liedzeile „Mem Müllemer Böötche fahre mer su jän“ – Das Karnevalslied von Karl Berbuer entstand 1936 und erzählt eigentlich von der Schiffstour einer Männergesellschaft. Im Refrain besingt es jedoch zudem eine Fährverbindung zwischen den Rheinseiten, die mit der ersten Schiffsbrücke 1888 überflüssig wurde. Einmal wurde es sogar zur Nationalhymne erkoren. Als Bundeskanzler Konrad Adenauer nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA empfangen wurde, spielten sie Berbuers „Heidewitzka, Herr Kapitän“ zur Begrüßung, weil Deutschland noch keine Nationalhymne hatte. Bekannt sind dir mit Sicherheit außerdem „die uss d’r Spillmannsgass“ und natürlich die „Kayjass Nummero Null“. Mit letzterem Lied ehrten „Die drei Laachduuve“ den Lehrer Heinrich Welsch, der sich für benachteiligte Arbeiterkinder einsetzte. Anders als im Song lehrte er allerdings nicht in der Kaygasse am Großen Griechenmarkt, sondern an einer „Hilfsschule“ in Kalk.

Die besten jecken Snacks

Ohne Mett geht im Karneval gar nichts. // Foto: Thilo Schmülgen

Den ganzen Tag schunkeln, singen, tanzen, dazu das ein oder andere Gläschen Alkohol: An Karneval sind die Jecken im Ausnahmezustand. Eines wird dabei häufig vergessen: die Mahlzeit zwischendurch. Dabei ist eine solide Grundlage wichtig, um gut durch den Tag zu kommen und natürlich um dem unweigerlichen Kater vorzubeugen. Fettig, salzig und reichhaltig darf es sein – an Karneval ist vieles erlaubt, das sonst auf der roten Liste steht. Je fettiger das Essen, desto langsamer wird es verdaut. So dauert es länger, bis der getrunkene Alkohol ins Blut gelangt.

Die besten Snacks für die Karnevalstage sind die, die sich gut mitnehmen lassen. Als Kleinigkeiten für die Hosentasche bieten sich Salzbrezeln, Flips, Erdnüsse oder Mandeln an. Wem eine Tasche nicht lästig ist, dem winken weit mehr Möglichkeiten: Blätterteiggebäck mit Käse, kleine gefüllte Pfannkuchen, Frikadellen oder herzhaft belegte Brote lassen sich hervorragend vorbereiten und zwischendurch verzehren. Wichtig: im Laufe des Tages immer mal wieder ein Glas Wasser trinken. Denn Alkohol entzieht dem Körper Flüssigkeit – dies verursacht Kopfschmerzen und eben den ungeliebten Kater am nächsten Morgen.

Für eine fruchtige Note zwischen Sekt, Bier und kölschen Tön sorgen Trockenfrüchte wie Aprikosen, Apfelringe, Ananas oder Mango. Reichhaltig sind auch Bananen – nur matschen sie leider schnell, wenn sie nicht richtig verstaut werden. Wer seine Mitfeiernden überraschen möchte, kann herzhafte Kartoffelmuffins backen, gemixt zum Beispiel mit Thunfisch, Schinken oder Paprika und Kräutern. Nicht zuletzt gilt: Wer gut frühstückt, kann (im Normalfall) länger feiern.

Sich an Kamelle satt zu essen ist übrigens keine gute Idee: Zucker steigert die Wirkung von Alkohol. So sinkt zum einen die Feier-Ausdauer, zum anderen steigt die Wahrscheinlichkeit, am nächsten Morgen mit einem ordentlichen Brummschädel aufzuwachen. Dies gilt ebenso für den Genuss von süßen Schnäpsen – Maß halten wird in diesem Fall mit einem klaren Kopf belohnt.

Jeck ins Gespräch kommen

Ja, flirten ist erlaubt. Vor allem an Karneval. Im gegenseitigen Einverständnis geht es an den jecken Tagen etwas lockerer zu. So wird mehr oder weniger züchtig jebützt und geschäkert, was das Zeug hält. Fremde Menschen liegen sich schunkelnd in den Armen zu herzerweichenden kölschen Tön. Der durchschnittliche Jeck entdeckt dann plötzlich den Südstadt-Casanova-Charme in sich, den er sonst das ganze Jahr über hervorragend zu verstecken weiß.

Wer bütze will, muss kreativ sein! // Foto: Thilo Schmülgen

Aber wie mit der Anvisierten ins Gespräch kommen? Viele Herren versuchen es mit einem flotten Spruch auf den Lippen. Ganz ehrlich – die meisten Anmachen sind ziemlich platt, mit etwas Humor jedoch meist schon schlecht genug, um doch noch ein paar Lacher zu provozieren. „Glaubst du an Liebe auf den ersten Blick oder soll ich nochmal reinkommen?“ oder „Hat es eigentlich wehgetan, als du vom Himmel gefallen bist?“. Zu plump sollte es aber nicht werden, denn dann dreht die holde Maid direkt ab und zeigt die kalte Schulter. „Hey Schnitte, schon belegt?“ oder „Ich bin so schlecht im Bett, das musst du erlebt haben“ dürften eher selten zum Erfolg führen.

Deutlich besser kommt es bei den Närrinnen an, wenn der Einstieg etwas kreativer ausfällt. Bei einer Anspielung auf das Kostüm beispielsweise schließt die Jecke darauf, dass der Herr sie wirklich angesehen hat. Sie fühlt sich bewusst angesprochen und nicht nur als eine unter vielen. Galant kann ebenso eine spontane Einbindung ins Gespräch sein. Einfach beim Quatschen mit den Kumpels umdrehen und sagen: „Ich brauche mal kurz eine weibliche Meinung.“ Welche Dame möchte da nicht hilfsbereit sein?

Ebenso andersrum bedarf es einiger Mühen, auch wenn Frauen selten so platt flirten wie Männer. Eine Smalltalk-Frage zu Beginn vielleicht: „Wie fühlt man sich, wenn man der einzige vernünftige Mann im Raum ist?“ oder „Denkst du, wir haben vielleicht einen gemeinsamen Freund, der uns einander vorstellen könnte?“ Je nach Temperament der Närrin bietet sich vielleicht folgendes für den Traumprinzen an: „Entschuldige, ich möchte dich nicht dumm anmachen, aber ich hätte nichts dagegen, wenn du es tust.“

Wirksam sind zudem Sprüche, die er oder sie nicht schon zigfach gehört hat. Etwas Neues oder Überraschendes zieht immer. Für den mutigen Herrn zum Beispiel so: Er: „Na, willste was trinken?“ Sie: „Ja, gerne – ein Kölsch.“ Er: „Klasse, dann bring mir eins mit.” Selbst wenn Mann damit in die Machofalle tappen kann, wird sie im ersten Moment baff sein. Und frei nach dem Motto „Karnevalsliebe stirbt zur Fastenzeit“ ist an Aschermittwoch ja zum Glück alles vorbei – und hoffentlich vergessen.