Statisten und mehr: „Bares für Rares“-Händler Walter Lehnertz redet Klartext

Walter „Waldi“ Lehnertz ist ein Original, ein rheinisches Original. Das wissen seit 2013 Millionen ZDF-Zuschauer, die begeistert die nachmittägliche Kult-Sendung „Bares für Rares“ mit Horst Lichter verfolgen. Waldi gehört von Anfang an zum festen Team der Händler in der Sendung, die den Privatanbietern ihre alten Schätzchen abkaufen. Oder auch nicht. Denn obwohl der 52-Jährige ständig auf der Suche nach Nachschub für seinen Laden „Waldis Eifel Antik“ in Kall-Krekel (Kreis Euskirchen) ist, kauft er längst nicht alles. Doch wenn er interessiert ist, legt er traditionell mit einem Gebot von 80 Euro los, egal wie hoch der offensichtliche Wert der Ware ist. Das hat sich zu seinem Markenzeichen entwickelt. Der gelernte Pferdewirt und spätere Garten- und Landschaftsbauer ist seit 2015 auch im Hauptberuf Trödel- und Antiquitätenhändler.
Alexander Kuffner sprach für Jeckes.NET mit dem Kult-Händler.

Waldi, hat man als Händler eigentlich schon mal ein schlechtes Gewissen gegenüber den Anbietern? Wenn man etwa genau weiß, dass das angebotene Ding ein Knaller ist und trotzdem weit unter Wert bietet, um den eigenen Verdienst höher zu treiben?
Eigentlich nicht, aus einem einfachen Grund: Du musst immer so hoch bieten, dass der Kunde auch etwas verdient. Sonst würde ich mich gar nicht auf den Handel einlassen. Ein kleines Beispiel: Eine durchschnittliche Quetschkommode hat momentan einen Wert von rund 400 Euro. Die Dinger bekommst du momentan aber nicht verkauft. Wenn mir jetzt jemand so ein Teil anbietet, dann sage ich „Da könnte ich dir momentan höchstens 80 Euro für geben, der Markt ist gerade schlecht. Nimm sie bitte wieder mit.“ Es würde mir nichts nützen, die Quetschkommode für 80 Euro zu bekommen – denn erstens würde ich eine lange Zeit drauf sitzen bleiben, wenn ich damit Gewinn machen möchte. Und zweitens wäre die Gefahr groß, dass hinter meinem Rücken gequatscht wird. Nachher wird der Verkäufer dann von Familie oder Freunden gefragt, wo denn die schöne Quetschkommode ist. Und wenn der dann sagt „Ach, das alte Ding hab ich für 80 Euro beim Waldi in Krekel gelassen“, sagen die vielleicht „Was? Ich hätte dir 300 dafür gegeben!“ Nee nee – da lass ich lieber die Finger davon.

Wie ist es möglich, von allem so viel Ahnung zu haben beziehungsweise den Wert von so vielen verschiedenen Dingen erkennen zu können?
Das macht einzig und allein die Erfahrung. Da helfen weder Internet noch Bücher, weil das Geschäft heutzutage so schnelllebig ist. Aber natürlich kauft man auch manchmal auf Risiko, das geht gar nicht anders. Ich habe Sachen von 2015 hier stehen, von denen ich damals gedacht habe, die wären der Renner. Und jetzt will sie keiner haben. „Verkaufen“ tut man sich immer mal, das ist das Risiko, mit dem wir Händler leben müssen. Zu etwa achtzig Prozent liege ich aber richtig, weil ich einfach weiß, dass die Ware gut läuft. Manchmal kaufe ich coole Sachen aber auch einfach als Hingucker für den Laden. Eben nur, damit die Leute sagen können „Guck mal, was für ein geiles Teil!“ Ob sich das dann verkauft, ist letztlich gar nicht so wichtig.

Waldi (r.) mit seinen „Bares für Rares“-Kollegen (v.l.) Wolfgang Pauritsch, Susanne Steiger, Fabian Kahl, Horst Lichter, und Ludwig Hofmaier. // Foto: ZDF/Frank Hempel

Warum kommen in Zeiten von eBay immer noch so viele Menschen zu Anbietern wie Dir?
Weil eBay unpersönlich ist. Man handelt nicht von Mensch zu Mensch, sondern von Mail zu Mail. Außerdem wird bei uns sofort bar bezahlt. Wenn du bei eBay etwas verkaufst, hast du immer Arbeit und vielleicht auch Scherereien. Du musst Fotos machen, es online stellen, verpacken, zur Post bringen und am Ende beschwert sich der Käufer vielleicht noch und fordert Nachlass und so weiter. Wenn du zu einem Händler gehst, ist das ein schnelles, sauberes Geschäft. Es gibt Geld bar auf die Hand und beide sind zufrieden. Mit dem Kaufen ist es das selbe in Grün. Die Ware steht direkt vor dir, du kannst sie genau in Augenschein nehmen und vielleicht noch etwas handeln.

Verkaufst du alles ausschließlich in deinem Laden in Kall-Krekel, oder auch online oder auf Auktionen?
Ich verkaufe ausschließlich im Laden. Selbst wenn ich weiß, dass ich über ein Auktionshaus eigentlich mehr für die Ware bekommen würde. Und bei den richtig tollen Sachen möchte ich auch wissen, wer sie haben möchte. Wer mir unsympathisch bist bekommt schon mal gar nix.

Ist dir in der Sendung eigentlich schon mal was runtergefallen?
Da wartet das Team seit sieben Jahren drauf (lacht). Obwohl, einmal ist mir tatsächlich was kaputt gegangen, das war so ein Spielzeug-Hubschrauber, an dem man kurbeln musste, damit er aufstieg. Ich hatte dann keine Idee, wie ich das Ding landen sollte und er ist schließlich gegen Susannes Daumen geflogen – Rotor kaputt. Der Kunde hatte aber zum Glück einen Ersatzrotor dabei und ich habe das Teil auch gekauft. Das war aber wirklich das einzige. Man passt auf die Sachen auf, als wären es die eigenen. Obwohl natürlich alles versichert ist.

Wie viel Geld habt ihr Händler bei „Bares für Rares“ eigentlich immer so in der Tasche?
Das kommt auf die Spezialisierung an. Schmuckhändler haben logischerweise immer etwas mehr dabei. Was mich angeht – und das ist bei einigen Kollegen ähnlich – habe ich meistens zwischen 10.000 und 15.000 Euro dabei. Wenn mal etwas außergewöhnliches kommt und schnell mehr Geld benötigt wird, leihen wir Händler uns auch untereinander etwas.

Was war das skurrilste, das dir je in der Sendung angeboten wurde?
Hmn, das war wohl die Pappmache-Figur von Goethe. Ein Goethe, der einen Diener macht mit einem Holztisch davor. Sah ein bisschen aus wie Kollege Albert (lacht). Einfach ein cooles Ding.

Wie ist das Verhältnis zu den Händlerkollegen, den Experten und Horst Lichter? Gibt’s in langen Produktionswochen nicht auch mal Knatsch untereinander?
Bei uns an der Händlertheke geht es auch schon mal rund. Das ist ein knallhartes Geschäft, da will jeder sein Gesicht wahren und kämpft für sich allein. Wenn ich bei einem bestimmten Teil sage „Das Ding geht in die Eifel!“, dann ist das eine ernstgemeinte Kampfansage. Wir schenken uns nichts, obwohl wir uns alle untereinander mögen. Aber du sprichst sicher auch auf die Zeit neben der Kamera an. Da ist allerdings nicht viel, zumindest was mich angeht. Abends sieht man sich eher selten, denn wir sind ja alle im Hauptberuf Händler und haben uns neben der Zeit vor der Kamera um unsere Geschäfte zu  kümmern. Außerdem fahre ich immer nach Hause über Nacht, manche andere auch.

Ist das Fernsehen für dich mittlerweile zum Hauptjob geworben und der Laden nur noch ein Hobby?
Nein, auf keinen Fall. Mein Laden ist für mich wichtiger, als „Bares für Rares“. Das ist mein Hauptgeschäft. Wenn ich mich heute zwischen meinem Laden und dem Fernsehen entscheiden müsste, würde ich der Sendung sofort „Tschö“ sagen.

Aber eine gewisse Prominenz hat dir die Sendung schon gebracht, von der du sicher auch profitierst …
Na klar, „80-Euro-Waldi“ hat sich ja richtig als Markenname etabliert. Es gibt inzwischen sogar schon Bustouren, die zu mir nach Krekel kommen. Und ich werde nicht nur in Deutschland erkannt, auch im Ausland ist mir dass schon öfter passiert. Die Werbewirkung durch „Bares für Rares“ ist unbezahlbar, da bin ich ehrlich. Aber das ist kein Selbstläufer, man muss den Kunden schon etwas bieten sonst kommen sie nur einmal und dann nie wieder.

Es wird ja immer wieder geschrieben, bei „Bares für Rares“ sei vieles nicht echt. Manche böse Zungen behaupten sogar, die ganze Sendung sei ein Fake …
Alles völliger Quatsch. Es gibt da ja ein Boulevard-Blatt mit vier großen Buchstaben, dass uns das seit Jahren hinterher sagt. Von diesem Blatt wurden bereits mehrmals Reporter zu uns eingeladen, um sich alles in Ruhe vor Ort anzusehen. Bisher ist allerdings keiner aufgetaucht. Sie würden auch nichts finden. Bei „Bares“ gibt es keine Fakes. Die Experten sind echt, die Anbieter sind echt und wir sind echt. Und tatsächlich haben wir vorher keine Ahnung, was uns da angeboten wird. Da wird ein riesiges Bohei drum herum veranstaltet. Die Waren werden peinlichst genau abgedeckt und versteckt, manchmal finde ich das fast schon ein bisschen lächerlich. Wir bekommen auch keine Tipps von den Experten oder können uns sonst irgendwie vorbereiten. So etwas könnte sich das ZDF ja gar nicht erlauben als öffentlich-rechtlicher Sender. Wenn das heraus käme, würde der Horst Lichter doch keinen Job mehr bekommen.

Aber es gibt doch durchaus Statisten bei der Sendung …
Natürlich gibt es die, und ich kann dir auch genau erklären, wo man die sieht. Während ein Kunde zu Horst Lichter und dem Experten an den Tisch tritt, um seine Ware schätzen zu lassen, siehst du im Hintergrund die anderen Experten mit weiteren Kunden an Tischen stehen. Diese Kunden im Hintergrund, das sind Statisten. Es geht dabei nur darum, das Bild im Hintergrund zu füllen und lebendig zu machen. An einem Drehtag kommen sechs Anbieter vormittags und sechs nachmittags. Die sind alle echt und für jedes Stück ist ein Experte da. Und manchmal siehst du außerdem in kurzen Schnittbildern lange Schlangen von Anbietern vor der Halle stehen. Die sind auch alle echt, aber das sind Bilder der Schätztage, die so etwa vier mal im Jahr stattfinden. An solchen Tagen kommen bis zu 400 Leuten, um ihre Waren von Experten einschätzen zu lassen. Wir Händler sind dann gar nicht da. Aber die Bilder der Schätztage werden eben ab und zu als Übergänge in die Sendungen hineingeschnitten.

Titelfoto: ZDF/Guido Engels

Darf’s noch ein bisschen mehr sein?

Statisten und mehr: „Bares für Rares“-Händler Walter Lehnertz redet Klartext

Walter „Waldi“ Lehnertz ist ein Original, ein rheinisches Original. Das wissen seit 2013 Millionen ZDF-Zuschauer, die begeistert die nachmittägliche Kult-Sendung ...
Weiterlesen …

Bekannt wie ein bunter Hund: diese Kölner Tiere sind berühmt und berüchtigt

Das tierreichste Veedel der Stadt? Die bekannteste Fellnase? Wir haben euch die wohl coolsten, tragischsten und kuriosesten Tier-Geschichten Kölns zusammengestellt ...
Weiterlesen …

Teste dein Wissen: Bist du ein echter Kölnkenner?

Köln ist mehr als nur eine Stadt, Köln is en Jeföhl. Der FC, der Rhein und die Menschen – es gibt ...
Weiterlesen …

Nicht überlaufen: An diesen Orten in Köln bekommt ihr Abkühlung

Das Rheinland verwandelt sich derzeit in einen Hitzekessel. Die bisher heißeste Woche des Jahres ist in vollem Gange. Temperaturen bis ...
Weiterlesen …
Teile Dich jeck

3 Kommentare zu “Statisten und mehr: „Bares für Rares“-Händler Walter Lehnertz redet Klartext

  1. Pingback: N-Bild: Bares für Rares: So viel Geld haben die Händler immer dabei - N-Bild

  2. Pingback: Bares für Rares: So viel Geld haben die Händler immer dabei | Nachrichten - Zax News

  3. Norbert Suckfüll

    Das einzigste was kein Fake ist das der Pleite-Waldi etwas verschleppt hat und dafür bezahlen musste!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Okay