Und wer ist es schuld? Der Nubbel!

Ihr habt es an den jecken Tagen mit den Bützje übertrieben? Zu viel Kölsch getrunken und auf dem nächtlichen Heimweg Burger und Döner verdrückt? Keine Sorge, was im Straßenkarneval und in den Kneipen passiert, das bleibt auch dort – sagt zumindest der Volksmund. Denn am Ende ist sowieso der Nubbel schuld. Und wenn er in Flammen aufgeht, lösen sich alle Sünden in Rauch auf.

„Brennen sollst du“

Seit Weiberfastnacht hängt er draußen an der Tür so mancher Kneipe und sieht dem wilden Treiben zu. Wie ein Schwamm nimmt die zumeist liebevoll gestaltete Strohpuppe die kleinen und großen Verstöße in sich auf. Zum Abschluss der Session wird der Nubbel am Abend des Veilchendienstags feierlich zum Schafott getragen – und mit ihm alles, was an Unfug getrieben wurde. Wer dieses Ereignis noch nicht erlebt hat, sollte das unbedingt nachholen. Denn die Figuren werden nicht einfach so verbrannt, das Ende des Straßenkarnevals wird noch einmal gebührend gefeiert – etwa im Kwartier Latäng.

Dort kommen in langen Prozessionen die Jecken aus den Kneipen zusammen. Treffpunkt der Züge ist die Rathenaustraße, wo pünktlich um Mitternacht ein verkleideter „Geistlicher“ die lange Liste der Sünden verliest. Die närrische Menge sinnt derweil auf Rache und buht den schuldigen Nubbel kräftig aus. „Brennen sollst du“, fordert sie. Nach einem gemeinsamen „Gebet“ werden die Puppen schließlich zu einem Scheiterhaufen aufgerichtet und angezündet. Mit ihnen verbrennen symbolisch all die Schandtaten der letzten Tage und Wochen. Wehmütige Stimmung macht sich nun breit. Vorbei sind die tollen Tage. Ein letztes Mal wird zusammen gesungen und geschunkelt, bevor sich die Trauergemeinde bis zum 11.11. auflöst. Dann beginnt das jecke Spiel erneut.

Woher kommt der Brauch?

Die rheinische Tradition um die mannshohe, meist liebevoll eingekleidete Figur entstand im 19. Jahrhundert. Der Name Nubbel ist ein kölscher Begriff und bedeutet so viel wie „irgendwer, niemand, keine bekannte Person“. Das Aussehen ist immer unterschiedlich – mal kommt die Puppe in Jeans und T-Shirt daher, mal nur im Kartoffelsack. Einige haben eine richtigen Kopf mit Gesicht, andere schmückt nur ein Luftballon. Doch das Erscheinungsbild ist relativ egal. Wichtig ist, dass der Nubbel gut brennt.

 

 

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