Eine Straße voller Weihnachten

Gut versteckt hinter Backsteinfassaden liegt die kölsche „Weihnachtsstraße“. Jedes Jahr in der Adventszeit erstrahlt eine kleine Sackgasse in Köln-Sülz im Lichterglanz. Seit mehr als 34 Jahren schmücken die Bewohner die Bäume liebevoll und mit großem Aufwand.

Um Punkt 17 Uhr gehen die einzelnen Lichterketten an und die gesamte Hummelsbergstraße wird in ein warmes Licht getaucht. „Es dürften mittlerweile zwischen 30.000 und 40.000 Lämpchen sein“, sagt Dirk Sattelmaier, der seit 19 Jahren in der „Weihnachtsstraße“ wohnt und die Tradition pflegt.

Er und viele weitere der rund 200 Straßenbewohner packen mit an, wenn die Bäume geschmückt werden. Dieses Jahr waren es rund 25 Helfer. „Es sind auch viele junge Leute dabei gewesen, und man hat ihnen angemerkt, dass sie Spaß hatten“, erklärt Herbert Nett, der die Tradition einst mit zwei weiteren Anwohnern mitinitiierte und die mittlerweile bereits an die dritte Generation übertragen wurde. Dank einer eigens gegründeten Whatsapp-Gruppe sind die Nachbarn immer informiert und wissen, wann es wo etwas zu tun gibt.

Nicht nur Lichter schmücken die Straße. //Foto: Kohlenberg

Während sich die Wagemutigen früher noch auf klapprige Leitern stellten, um an die Baumspitzen zu gelangen, kommen seit vielen Jahren große mobile Hebebühnen von einem Unternehmen aus Pesch zum Einsatz. „Das wäre anders gar nicht mehr zu schaffen. Die Bäume ragen ja teilweise über die Häuser hinaus“, so Sattelmaier. Trotz moderner Technik dauert es zwischen drei und vier Stunden pro Tanne. Zwei Samstage sind für die Verzierung der gesamten Straße nötig.

Die meisten Lichter sind mittlerweile durch LED-Birnchen ersetzt worden. Diese verbrauchen deutlich weniger Strom, sparen bares Geld und sind deutlich robuster. Bunte Lämpchen sind dabei übrigens tabu. „Wir fangen mit den Vorbereitungen immer im Oktober an. Dann schrauben wir sämtliche Glühbirnen ab, besprühen die Fassungen mit Kontaktspray und prüfen alles. Immer wieder müssen auch ganze Ketten ausgetauscht werden“, so Sattelmaier. Um all die Kabel vor Eichhörnchen und Vögeln zu schützen – und auch um die Tiere vor Verletzungen zu bewahren –, ließen die Bewohner spezielle Kästen anfertigen.

Bei aller Arbeit steht jedoch das Miteinander im Vordergrund. „Die einen schmücken die Bäume, die anderen kommen und bringen etwas zu essen vorbei“, erzählt Tanja Decker. Besonders gesellig wird es jeden Adventssonntag, dann trifft sich die Nachbarschaft zum gemeinsamen Glühweintrinken. „Das kann auch schon mal länger werden“, weiß Nett zu berichten.

Die „Weihnachtsstraße“ hat ihr eigenes Schild. //Foto: Kohlenberg

Wer das Lichtermeer selbst sehen möchte, kann das noch bis zum 6. Januar. Da Parkplätze rar sind, empfiehlt es sich mit der Linie 18 bis Arnulfstraße zu fahren. Von dort die Luxemburgerstraße stadteinwärts gehen und die zweite Möglichkeit rechts abbiegen. Ein Schild mit der Aufschrift „Weihnachtsstraße“ am Anfang der Gasse erleichtert die Suche. Nicht nur die Bewohner und Touristen gefällt die Dekoration. „Wie ich aus gut unterrichteten Kreisen weiß, fährt die Polizei in der Adventszeit verstärkt Streife durch unsere Straße – und das nicht wegen der erhöhten Einbruchsgefahr“, verrät Anwalt Sattelmaier mit einem Schmunzeln.

Titelfoto: René Kohlenberg

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