Der Nubbel muss brennen!

Während der letzten Tage hat wohl jeder mindestens ein dutzend Mal in den Kneipen diesen Megahit der Höhner gesungen, gegrölt und manchmal gelallt: Liebe, Sünde, Leidenschaft, das ist meine Welt! // Der liebe Gott weiß, dass ich kein Engel bin // so’n kleiner Teufel steckt doch in jedem drin // Der liebe Gott weiß, dass ich kein Engel bin – das mit dem Himmel, das kriegen wir schon hin!“

Hier brennt der Nubbel in der Roonstraße. // Fotos: Schmülgen

Kleine und große Sünden wurden unter dem Deckmäntelchen der Verkleidung begangen. Zu viel Alkohol, ein oder zwei Fisternöllche, ungesundes Essen – die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Und der Nubbel? Der hing brav über allem. Hat unsere Verstöße und unser wildes Treiben wie ein Schwamm aufgesogen und wird heute, am späten Abend des Veilchendienstags, feierlich verbrannt. Mit ihm alles, was an Unfug getrieben wurde. Damit sind alle Sünden in Rauch aufgegangen und das karnevalistische Treiben endet wieder bis zur Eröffnung der nächsten Session am 11.11.

Wer jedoch noch nie vom Nubbel gehört hat, mag sich in den vergangenen Tagen gefragt haben, warum all diese großen Puppen über den Eingängen der Kneipen thronen. Der im Rheinland verbreitete Brauch um die mannshohe, meist liebevoll eingekleidete Figur ist im 19. Jahrhundert entstanden. Sein Aussehen ist immer unterschiedlich. Bei den einen kommt er in Jeans und T-Shirt daher, bei anderen besteht er aus Stroh und Kartoffelsäcken. Mal hat er einen richtigen Kopf, mal schmückt nur ein bemalter Luftballon als „Gesicht“ seinen Hals. Doch das Erscheinungsbild ist relativ egal. Wichtig ist, dass er gut brennt. Das Wort Nubbel ist übrigens ein kölscher Begriff und bedeutet so viel wie „irgendwer, niemand, keine bekannte Person“.

Öffentliche „Gerichtsverhandlung“

Doch der Nubbel wird nicht einfach nur abgenommen und angesteckt, sondern zuvor in andächtigen Prozessionen auf einer Bahre mit Fackeln und Kerzen begleitet durch die Straßen getragen. Nicht selten ist dabei das Geheule und Gejammere unter den „Trauergästen“ groß. Schließlich verliest ein „Priester“, ein „Mönch“ oder eine „Nonne“ die Anklageschrift. In dieser werden die närrischen Tage reflektiert. Die anwesende Menge verteidigt den Sündenbock zunächst. Doch am Ende sind sie alle überzeugt, dass er schuldig ist und fordern Rache. Rhetorischen Fragen wie „Wer ist schuld, dass wir all unser Geld versoffen haben?“ werden von der aufgebrachten Menge mit „der Nubbel!“ beantwortet. Schließlich wird der Sündenbock angezündet. Und mit ihm verbrennen symbolisch all die Schandtaten der letzten Tage und Wochen.

Wehmütige Stimmung macht sich unter den Schaulustigen breit. Vorbei sind die tollen Tage.  Ein letztes Mal werden melancholisch kölsche Lieder angestimmt. In vielen Kneipen geht nach der Nubbel-Verbrennung die Musik aus und das Licht an. Die Session ist zu Ende, die Fastenzeit beginnt.

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