Hänneschen – hier wohnt die kölsche Seele

Das Kölsche hat in diesen Tagen Hochkonjunktur. Die lokalen Bands stimmen in den Sitzungen ihrer Lieder in Mundart an, die meisten Büttenredner bedienen sich ebenfalls der heimischen Sproch. Und selbst die Karnevalstouristen versuchen, den einen oder anderen Ausdruck unfallfrei auszusprechen. Nach Veilchendienstag ebbt dies alles wieder ein wenig ab. Doch gibt es einen Ort, an dem das Kölsche das ganze Jahr über angesagt ist: im Hänneschen-Theater am Eisenmarkt in der Altstadt.

Bereits 1802 öffnete sich zum ersten Mal der Vorhang für die berühmten Stockpuppen, Abnutzungserscheinungen sind bis heute dennoch keine zu verzeichnen. Mehr als 250 Vorstellungen bestreiten die Hauptcharaktere Hänneschen und Bärbelchen mit ihren Mitstreitern in jedem Jahr. In der Fastelovendszick steht traditionell die Puppensitzung auf dem Programm, von der es auch eine Variante speziell für Kinder gibt.

Seit mehr als 200 Jahren trifft das Hänneschen-Theater den Humor der Kölner perfekt. // Fotos: Schmülgen
Herr Präsident, die Woosch!

Der anhaltende Erfolg der Kölner Institution hat viele Gründe. So sind die liebevoll gestalteten Figuren längst legendär. Jedes Kind in der Stadt kennt nicht nur Hänneschen und Bärbelchen, sondern natürlich gleichfalls Tünnes, Schäl oder den Speimanes. Letzter übernimmt in den Vorführungen die Rolle des stotternden Hofnarren. Sein Ausspruch „Herr Präsident, die Woosch“, mit dem er den Wurstorden überreicht, ist längst in den hiesigen Sprachschatz eingegangen.

Die fantasievoll geschriebenen Stücke sind gleichfalls ein wichtiger Baustein für den großen Zuspruch, den das Traditionshaus unverändert genießt. Denn in der Heimat der kölschen Siel, also der Seele, wird das Lebensgefühl dieser Stadt hautnah erfahrbar. Als nächste Inszenierung feiert der „Eiervision Leed Contäst“ im März seine Premiere. In dem Ostermärchen aus der Feder von Iris Schlüter sorgt ein Gesangswettbewerb für jede Menge Aufregung am gewohnten Schauplatz Knollendorf. Wie der Titel schon verrät, stand der „Eurovision Song Contest“ als Inspiration Pate.

Totgesagte leben länger

Viel frischen Wind in die Puppenspiele der Stadt Köln brachte überdies Intendantin Frauke Kemmerling, die seit dem 2012 im Amt ist. Selbst die zweifelhafte Entscheidung des Westdeutschen Rundfunks, die Stücke des Hänneschen-Theaters nicht mehr im Fernsehen zu übertragen, konnte Kemmerling kompensieren. Kurzerhand rief sie die Veranstaltung „Hänneschen om Iesermaat“ ins Leben. Dieser Tag der offenen Tür steigt in diesem Jahr am 6. Februar ab 16 Uhr.

Außerdem gewährt das Theater an regelmäßigen Terminen einen Blick hinter die Kulissen. Unter dem Titel „Hinger d’r Britz“ (zu Deutsch: Balustrade) erfahren Hänneschen-Fans, wer sich hinter – oder besser unter – den Figuren verbirgt. Dabei erzählen die Puppenspieler viel Wissenswertes zur Theatergeschichte und geben amüsante Anekdoten zum Besten: das Hänneschen-Theater zum Anfassen.

Alle Informationen und Termine sowie Tickets hält das Zuhause der kölschen Siel im Internet bereit.

 

0 Kommentare zu “Hänneschen – hier wohnt die kölsche Seele

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Okay