Alaaf vs. Helau

Es wird nicht nur in Köln und seinem Umland Karneval gefeiert, klar. Trotzdem sucht der kölsche Fastelovend im ganzen Land seinesgleichen. Mit keiner anderen Stadt ist der Begriff so verbunden wie mit Kölle. Warum das so ist? Nun, da fallen uns einige Gründe zu ein …

Das Bier

Das frische, obergärige Kölsch hat sich als idealer Partybegleiter bewährt. Wer sein persönliches Limit im Blick behält, kann sich über viele Stunden am perfekten Kehlen-Anfeuchter für das Mitsingen der aktuellen Karnevalshits erfreuen. Da kann das eher labbrige Alt vom Niederrhein nicht punkten. Und gegenüber dem Pils hat das Kölsch einen unschlagbaren Zeitvorteil: Das Zapfen eines Stängchens dauert halt keine sieben Minuten.

Die Musik

Kölsche Tön sind identitätsstiftend und in ihrer Vielfalt unübertroffen: von den Altstars wie den Bläck Fööss, Höhnern und Brings über jüngere Bands wie Kasalla, Cat Ballou und Querbeat bis zu Newcomern wie Miljö reicht die Palette. Stilistisch finden sich Genres wie Rock, Pop, Brass, Folk, Balladen und viele mehr darin. Für jeden Jeck ist was dabei. Anderenorts dominieren an Karneval abgenudelte Schlager oder 90er-Trash wie Rednex oder Mr. President. Ganz schlimm ist’s in Mainz, wo tranige Lieder in einem unverständlichen Kauderwelsch die Stimmung in den Keller ziehen.

Das Getümmel

Zwischen dem 11.11. und Aschermittwoch reiht sich – nur kurz vom Advent unterbrochen – ein Highlight ans nächste. Beginnend mit der Sessionseröffnung über die traditionellen oder alternativen Sitzungen bis hin zu den vielen Umzügen in ganz Köln. Rund ein Vierteljahr befindet sich die Stadt im Ausnahmezustand – da kann keine andere deutsche Metropole mithalten. In München beispielsweise bildet der „Tanz der Marktweiber“ am Karnevalsdienstag den Abschluss des Faschings. Wow. Spannend.

Die Vielfalt

Abseits der Großevents bietet der kölsche Fastelovend viele kleinere Veranstaltungen für alle, die es etwas entspannter mögen. Da wären etwa Sitzungen wie „Jeckespill“ erwähnenswert, bei denen ruhigere Töne angeschlagen werden. Und natürlich die Feiern abseits der Partybrennpunkte in den unzähligen Veedelskneipen, in denen Jung und Alt zusammenkommen, um dem Brauchtum zu frönen. In den meisten Städten hierzulande muss der Feierwillige selbst an Rosenmontag lange suchen, bis er überhaupt eine Wirtschaft mit Karnevalsstimmung findet. Und dort laufen dann – siehe oben – Schlager und dröge Party-Stampfer.

Der Zoch

Der Rosenmontagszug ist der Höhepunkt des Fasteleers. Stundenlang zieht der närrische Lindwurm mit Tausenden Mitwirkenden durch die Stadt. Hunderttausende Zuschauer in fantasievollen Kostümen feiern gemeinsam am Zugweg. Nur der Düsseldorfer Zug ist eine echte Konkurrenz, zumal in der Landeshauptstadt die Mottowagen oft etwas bissiger ausfallen. Weitaus beschaulicher geht es bei der schwäbisch-alemannische Fastnacht im südwestdeutschen Raum und in Teilen der Schweiz zu. Dort ziehen deutlich kürzere Prozessionen durch die Städte; fast alle Teilnehmer sind als Teufelswesen oder Hexen unterwegs. Abwechslung sieht anders aus …

Sechs Tage Party

Nach einer gewissenhaften Einstimmung bei Sitzungen, Bällen oder „Loss mer singe“ muss der kölsche Jeck ab Wieverfastelovend Stehvermögen beweisen. Bis einschließlich Veilchendienstag haben die Narren die Qual der Wahl zwischen zahllosen Partys, Umzügen und dem Trubel in den Kneipen. Ein vernünftiges Einteilen der Kräfte vorausgesetzt, kann jeder sechs Tage am Stück in den Wahnsinn des rheinischen Frohsinns eintauchen. Eine echte Herausforderung! Aber eine, die verdammt viel Spaß macht.

Der Nubbel

In fast jeder Kölner Kneipe hängt während der tollen Tagen der Nubbel. Das Prinzip ist so einfach wie genial: Denn der symbolische Sündenbock muss all die großen und kleinen Fehltritte der Fastelovendsfründe auf sich nehmen und für sie geradestehen. Am Veilchendienstag wird die mit Stroh gefüllte Puppe verbrannt – und der ganze Unfug, den die Jecken getrieben haben, ist vergeben und vergessen. Da kann höchstens Düsseldorfer Hoppeditz mithalten. Zwar wird auch er am Ende der Session dem Feuer überantwortet, allerdings nervt der Nubbel an Weiberfastnacht nicht mit einer zähen Eröffnungsrede.

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