Mehr Mut zum Genuss!

Eine unschöne Entwicklung zeichnet sich seit Längerem ab: Immer häufiger und massiver versuchen Staat und Regierung Einfluss auf die Kaufentscheidungen der Menschen zu nehmen. Mal mehr, mal weniger subtil. Insbesondere bei Lebensmitteln fehlt es nicht an Warnhinweisen und Ermahnungen. Der sogenannte mündige Bürger hat wohl ausgedient-

Einfach mal zugreifen! Leben bedeutet auch Genießen. // Fotos: Pexels, Thinkstock

Ein erster Höhepunkt war ein Vorschlag der Bundestagsfraktion der Partei Bündnis 90/Die Grünen, einen Veggieday einzuführen. Die Politiker forderten im Bundestagswahlkampf 2013 ein Verbot von Fleischgerichten in den Kantinen des Landes. Ausschließlich Obst und Gemüse sollten auf die Teller der arbeitenden Bevölkerung. Der Gegenwind fiel stürmisch aus: In den sozialen Medien hagelte es Kritik und Spott, die Umfragewerte der Partei brachen ein. Die übereinstimmende Meinung der Menschen: Eine derartige Bevormundung ist überflüssig, der Vorstoß albern. Resultat: Die Grünen ruderten hektisch zurück, ihr Wahlergebnis fiel dennoch recht bescheiden aus.

Heute – vier Jahre später – gehen eifrige Befürworter einer vermeintlich gesunden Ernährung vergleichsweise dezent zu Werke. Selbstverständlich stehen angeblich schädliche Lebensmittel nach wie vor in den Regalen der Supermärkte. Doch die auf ihnen angebrachten Kennzeichnungen haben inzwischen fast schon die Größe von Verkehrsschildern. Neben Verfallsdatum und Zutaten drängen sich Warnhinweise immer mehr in den Vordergrund. Da wird dem Konsumenten der Genuss von Kaffee, Alkohol oder Süßigkeiten schon vor dem Kauf verdorben. Und wer doch zugreift, wird anschließend nicht selten von einem schlechten Gewissen geplagt.

Umgekehrt werben immer mehr Produkte mit einschlägigen Labeln. „Bio“, „Nachhaltig“, „Light“ oder „Fettreduziert“ – ohne solche Etiketten scheint es kaum noch zu gehen. Wobei die Seriosität und Aussagekraft dieser Aufkleber bisweilen durchaus zweifelhaft sind. Allein unter der „Bio“-Fahne firmieren mittlerweile zahllose Nahrungsmittel. Die einzelnen Labels sind indes rein optisch derart verschieden gestaltetet, dass sich die Frage stellt, wer die vorgeblichen Gütesiegel eigentlich überhaupt vergibt oder die Einhaltung von Produktionsstandards kontrolliert. Als verlässliches Qualitätsversprechen haben die Siegel nicht zuletzt deshalb längst ausgedient.

Sicher ist es aus medizinischen Erwägungen wenig ratsam, sich ausschließlich von Cola und Kartoffelchips zu ernähren. Doch wer sich jeglichen Genuss versagt, nimmt eine Beschneidung seiner Lebensqualität vorauseilend bereitwillig in Kauf. Der eine oder andere Kaffee bringt den Kreislauf in Schwung und schmeckt zudem noch ausgesprochen lecker. Nichts spricht gegen ein Bier nach der Arbeit oder ein Gläschen Wein zum abendlichen Spielfilm im Fernsehen. Ein paar Süßigkeiten müssen dabei nicht zu fehlen. Und was wären ein Kinobesuch ohne die obligatorische Tüte Popcorn und ein Fußballspiel ohne Stadionwurst?

Der weitgehende Verzicht auf leckere Genussmittel macht nicht dauerhaft glücklich. Nicht nur Warnetiketten, sondern auch Lust und Laune sollten die Kaufentscheidungen im Supermarkt bestimmen. Also für den Pausensnack einfach mal wieder zum Schokopudding statt zum Obstsalat greifen, das Leben darf schließlich Spaß machen.

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