Karneval ist ein Gefühl

Et bliev wie et wor. Rückt Weiberfastnacht näher, stellen sich wie jedes Jahr erst mal die Fragen nach dem Kostüm: „Was ziehe ich an?“, „Wo ist das Ding eigentlich?“ oder „Wie wär’s mit einem neuen?“ Natürlich drängt die Zeit – wer konnte auch ahnen, dass Karneval diesmal so früh ist. Ist der Wetterbericht für die tollen Tage studiert und nach langer Abwägung die Wahl auf das ultimative Kostüm gefallen, könnte es eigentlich losgehen. Einfacher gesagt als getan. Denn von Alltag auf Karneval umzuschalten, heißt Gewohnheiten, Manieren und Vernunft beiseite zu legen, seinen Bio- und Ernährungsrhythmus komplett umzustellen und allzeit genügend „Pinke“ in der Tasche zu haben.

Man kann’s nicht recht erklären: Karneval und Jeck sein hat man in sich oder nicht. // Fotos: Thilo Schmülgen

So ein normaler Karnevalstag beginnt mit einem reichhaltigen Frühstück im Familien- und/oder Freundeskreis. Stichwort: Grundlage schaffen. Zu dröhnender Karnevalsmusik werden die ersten Berliner, Mettbrötchen mit Zwiebeln und natürlich das erste Kölsch des Tages gereicht. Der Grundsatz „Kein Bier vor vier“ ist an den tollen Tagen mausetot. Sind endlich alle geschminkt und in Montur, geht’s ab ins Getümmel. In der Straßenbahn auf dem Weg zur ersten Partystation lassen Froschkönig und Astronaut schon die ersten Schnäpse kreisen. Wie lang die wohl an diesem Tag durchhalten?

Kaum ist die Bahn verlassen, setzt ein leichtes Nieseln ein. Na ja, bis zur Kneipe ist es zum Glück nicht allzu weit. Aus dem Nieseln ist Regen geworden. Halb so wild, das Kostüm hält dicht. Die Freude hierüber weicht schnell einem für den Karneval unüblichem Missmut – denn die Schlange vor der Location ist ziemlich lang. In der Gruppe entbrannt eine Diskussion: „Warum sind wir eigentlich erst so spät losgekommen?“, „sollen wir uns jetzt wirklich hier im Regen anstellen oder doch woanders hingehen?“. Während noch beraten wird, bewegen sich die Wartenden zentimeterweise Richtung Eingangstür. Da bleibt Zeit für ein „Zwi-Kö“ – also ein Zwischen-Kölsch.

Jetzt sind es wirklich nur noch wenige Meter bis ins Glück. Immer, wenn der Türsteher jemanden in den „Tempel des rheinischen Frohsinns“ hereinlässt, entweicht die verbrauchte Luft der feiernden Jecken nach draußen. Sogar das macht Vorfreude – die Kälte und der Regen machen irgendwie gleichgültig. Und dann ist es endlich so weit: Ein Augenzwinkern, eine Handbewegung der Security und dem weiteren, guten Verlauf des Tages und Abends steht nichts mehr im Wege. Bleibt nur die Frage, warum sich das Millionen von Menschen jedes Jahr wieder antun.

Ganz einfach: Karneval „is e jeföhl“!

0 Kommentare zu “Karneval ist ein Gefühl

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Okay